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Appell für Menschenrechte

Am 10.12. findet jährlich der Internationale Tag der Menschenrechte statt. Aus diesem Anlass machte das Alternativreferat der ÖH-Uni Graz (Referat für Menschenrechte, Gesellschaftspolitik und Ökologie) eine Aktion, um auf diesen Tag aufmerksam zu machen. Am Campus wurden Infomaterialien verteilt und eine Menschenkette gebildet. Abschließend gab es eine Gedenkminute für den jüngst verstorbenen Nelson Mandela.
Warum schreibe ich diese Zeilen und mache daraus gleich einen Appell?

Graz ist UN Menschenrechtsstadt. Es gibt zahlreiche UN (auch EU) Deklarationen, die allen Menschen die gleichen Rechte zugestehen. Sie sind fast von allen Staaten unterzeichnet bzw. ratifiziert. Aber: Nehmen wir wahr, dass Menschenrechte global wie lokal ständig verletzt werden?

Bei verschiedenen Aktionen zum Tag der Menschenrechte habe ich wahrgenommen, dass viele sehr verblüfft wirkten, teilweise auch einen großen Bogen um die jeweilige Veranstaltung machten. Ist das Megaphon daran Schuld, weil es an Proteste erinnert, die scheinbar keine*r haben will? Oder ist das Verteilen von Information eine Überforderung, weil wir allerhand Flyer bekommen und keine mehr sehen wollen? Aber: Ebenso setzen sehr viele Menschen dafür ein.
Menschenrechte wurden von vielen Menschen hart erkämpft und nach den Gräueln der beiden Weltkriege 1948 von der UN als Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zusammen getragen. Dennoch erleben wir, dass zahlreiche Menschenrechte verletzt werden: Folter, Vertreibung und Exklusion sind tägliche Ereignisse. Gerade in der Wirtschaftskrise erscheinen demokratische Prinzipien wenig Wert zu haben (EU-Troika, TTIP das geplante EU-USA Freihandelsabkommen). Geben wir diese in „Zeiten der Krise“ auf?

Zu den Menschenrechten gehören Persönlichkeitsrechte (das Recht auf Leben, Selbstbestimmung), Freiheitsrechte (Meinungs-, Pressefreiheit), soziale Rechte (Recht auf Bildung, Gesundheit, Nahrung und Teilhabe; Gleichstellung von Mann und Frau) und Schutz (vor Folter und körperlichen Übergriffen; für spezielle Gruppen wie Kinder, Flüchtlinge und Menschen mit Behinderung). Eines dieser Rechte wird ständig verletzt. Das ist aber kein Grund, die Deklarationen für null und nichtig zu erklären, sondern dafür einzutreten und zu kämpfen, dass Menschenrechte eingehalten werden.

Die Welt ist stetig im Wandel. Wie reagieren wir drauf? Orientieren wir uns an Ideologien, die behaupten, Menschen seien nur Individuen oder es gäbe nur den Staat oder andere Gemeinschaftsbegriffe? Oder akzeptieren wir, dass Menschen individuell sind (Jeder Mensch ist einzigartig und besonders!), aber sich genauso gerne mit anderen Menschen zusammantun?
Es liegen große Herausforderungen vor uns: Krisen um Energie, Ernährung, Wirtschaft, Rohstoffe … und Klimawandel!
Ich habe die Befürchtung, dass wir uns dabei auseinander dividieren lassen, keinen Bezug mehr zu anderen sehen und deswegen das Vertrauen ineinander schwindet; aber auch die Hoffnung, dass es möglich ist, die Katastrophe als Beigeschmack der Krise wegzudenken, um etwas Neues aufzubauen: eine Gesellschaft, die sowohl sozial-gerecht ist und auch mit den ökologischen Kapazitätsgrenzen umgehen kann. Das ist ein langer – wenn auch nie enden wollender – Aushandlungsprozess und keine Schönfärberei. Aber ich bin überzeugt davon, dass es möglich ist.
Es gibt viele Weltverbesserungsansätze! Dabei vergessen sie aber, so unterschiedlich sie im Detail auch sein mögen, dass sie alle eine „bessere“ Welt anstreben und Gemeinsamkeiten haben. Wieso setzen sich diese Menschen nicht mal an einen Tisch und überlegen, wo der gemeinsame Pfad in die Zukunft hinführt?

Ich freu mich auf spannende Aktivitäten im Jahr 2014. „Zukunft gestalten“ heißt dabei die Devise.  🙂

David Steinwender,
Referat für Ökologie, Menschenrechte und Gesellschaftspolitik der ÖH-Uni Graz